Gegen Nazis

Die Onkelz haben sich immer und immer wieder vom Rechtsradikalismus distanziert, und das für Fans und Kritiker gleichermaßen sichtbar, ob im Onkelz-Fanzine oder in der EMMA, bei MTV oder bei arte, in Podiumsdiskussionen oder auf Onkelz-Konzerten.

Dass Distanzierungen in den Achtzigern sehr rar scheinen, liegt nicht unbedingt daran, dass die Onkelz sich in dieser Zeit nicht distanzieren wollten. Viel mehr gab es zu dieser Zeit schlicht kein Medieninteresse und somit auch kaum Plattformen für die Onkelz, sich zu distanzieren.

Was weiter beachtet werden muss, ist, dass die hier vorliegenden Distanzierungen längst nicht vollzählig sind. Schon die Sammlung der veröffentlichten Distanzierungen ist keinesfalls vollständig, und noch weitaus größer dürfte der Teil der gar nicht erst veröffentlichten Distanzierungen sein: Manch ein stundenlanges Onkelzinterview wurde auf wenige Sendeminuten oder Textzeilen gekürzt, oder überhaupt nicht veröffentlicht. Die ARD wollte zum Beispiel ein Interview mit Stephan Weidner im nachhinein nicht veröffentlichen, weil er "zu gut davon gekommen sei". Es dürften noch unzählige Distanzierungen im eher privaten Kreis, sicher auch gegenüber einzelnen Fans oder Rechten, kommen.

 

Wer sich ein wenig intensiver mit der gesamten Geschichte der Onkelz, mit der Persönlichkeit von Onkelz-Mastermind Stephan Weidner (aber natürlich auch der anderen drei Onkelz), dem sozialen Umfeld in dem die Onkelz aufwuchsen und ihre Jugendzeit verbrachten, mit der Geschichte der Skinheadbewegung, usw., befasst, der dürfte in aller Regel zu dem Schluss kommen: Jedes hier veröffentlichte Wort und jede hier genannte Tat der Onkelz ist aufrichtig und ernst gemeint, hier liegt kein publicityträchtiger Imagewandel vor. Zumal das mit der Publicity ja, wie die Geschichte gezeigt hat, keinesfalls funktioniert hätte.

In wie weit die Onkelz früher tatsächlich dem rechten, beziehungsweise rechtsradikalen Lager zuzurechnen waren, wie stark Patriotismus und auch Rassismus wirklich ausgeprägt waren, das wird für die Öffentlichkeit wohl nie eindeutig geklärt werden. Die Einsicht, dass diese Einstellung (oder zu weit getriebene Provokation, absehbare Entwicklung, ...) falsch war, die hat es offensichtlich gegeben. Die Onkelz haben sich unbestreitbar von "Türken raus" und "Deutschland den Deutschen", von ihren durchaus vorhandenen rechten Fans, von rechten Parteien und deren Zielsetzungen, und ganz allgemein von Rechtsradikalismus, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Nationalismus distanziert, mehrfach und auf verschiedene Art und Weise. Sie bereuen ihre Vergangenheit (zumindest zu einem gewissen Grat), sie engagieren sich gegen Rechtsradikalismus, versuchen durch ihre Erfahrungen, Jugendliche vom rechten Rand wegzuholen.

Damit sollte jedem vernünftigen Menschen zumindest dieser eine Punkt klar sein: Die Onkelz sind keine Nazis. Sie sind sicher nicht die besten Menschen der Welt, sie haben ganz klar ganz schlimme Fehler gemacht, mehrere, verschiedene, aber diesbezüglich haben sie sich definitiv gewandelt, und das ganz ehrlich und ohne Hintergedanken.

Hier ein paar Statements der Onkelz

Aus der Biographie "Danke für Nichts": Genau vor Stephans Nase hatte sich eine tätowierte Glatze mit bloßem Oberkörper aufgebaut und grinsend den Arm zum Hitlergruß gestreckt. Sofort hatte Stephan seinen Bass abgeschnallt und ihn mit seinen Securityleuten rausgeschmissen. Das alles unter dem Beifall des gesamten Publikums.

Konzert Kaiserslautern, 1992

Aus der Biographie "Danke für Nichts": Als ein Skinhead vor der Bühne die Hand zum Hitlergruß hob, unterbrach Gonzo das Konzert. Das Hallenlicht wurde angeknipst und auf der Bühne versammelte sich eine Traube von Security-Leuten, die konzentriert in die Richtung blickten, in die Gonzo zeigte. Während der Provokant kurz darauf rüde aus der Halle geworfen wurde, begleiteten ihn die Stimmen von 7.000 Zuschauern, die alle "Nazis raus" riefen.

 

Konzert Bremen, 1993

"Main Echo": Weidner droht zu Beginn des Konzertes einigen Neonazis im Saal Prügel an und sagt: "Hier ist kein Platz für irgendwelche Rechtsradikale". Und das stimmt: Die Atmosphäre im Publikum ist freundlich, zudem gibt der vielköpfige Sicherheitsdienst der Randale keine Chance. [...] Die Kontrollen am Eingang der Halle während des ganzen Abends sind rigoros: Der Sicherheitsdienst kassiert Nietengürtel ein, davon sind viele mit Bundeswehrkoppeln oder Totenköpfen verziert. Die Besitzer werden am Konzertende Schwierigkeiten haben, ihr Eigentum wieder zu finden. Denn es landet ausnahmslos in einer großen Mülltonne.

Konzert Alzenau, 1994

www.onkelz.de: An der Halle angekommen, gerate ich sofort in den ersten Eklat, als ein junger Nazi vor der Venue beim Unterschriftensammeln für die NPD erwischt wird und es später sehr bereut, dass er überhaupt in die Nähe der Halle gekommen ist. Armes Schwein - der kommt nie wieder zu einem Onkelzkonzert. Hart aber gerecht, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Stephan: Das Stück "Türken raus" war von uns nie rechtsradikal gemeint, sondern wurde von uns in einer Art jugendlicher Hilflosigkeit rausgeblökt.

Stephan: Das einzige politische Statement, das wir abgeben bei Livekonzerten, ist wenn Leute meinen, sie müssten "Sieg Heil" schreien, dass wir die des Saales verweisen, ganz einfach.

Stephan: "Nazis ins KZ, das wär' so furchtbar nett!"

Onkelzflyer: Wir sind gegen: Rechten Terror, Rassismus, Gewalt gegen Ausländer, Intoleranz und dumpfe Parolen.

Stephan:
Ein Onkelz-Konzert ist kein Podium für Rechtsradikale! Verpisst euch! Die Sau mit der schwarzen Bomberjacke ist der Nächste der fliegt!

Kevin:
Wir ham' uns verabschiedet als die Nazis kamen und uns angesprochen haben, ihre NPD-Sache zu unterstützen. Wir ham' die natürlich in den Harz gekickt, aber Konzertbesucher ham' sich beschwatzen lassen, ham' "Sieg Heil" gebrüllt und den ganzen Scheiß. Und wo das anfing hatten wir keinen Bock mehr drauf. Mich ham' die Leute so angekotzt, sich von Politik so leiten zu lassen.

Gonzo: Wir sprechen uns gegen Rechtsradikalismus aus, wir sind keine Rechtsradikalen, nie gewesen, das ist 'ne Szene, die mit uns und unserer Musik überhaupt nichts zu tun hat.

Stephan: Die Rechten sollen wissen: Wenn sie kommen, dann sind wir vorbereitet! Wenn sie Faschos sind und provozieren wollen, dann bekommen sie eine Reaktion, die sich gewaschen hat! Wir wollen solche Leute nicht, wir kokettieren nicht mit ihnen und wir wollen auch ihre Eintrittsgelder nicht. Sie sollen sich einfach verpissen!

Zum guten Schluss noch ein Satz von Stephan der für sich spricht:

"... von den Linken werden wir als rechte Schweine abgestempelt, und von den rechten als Verräter. Irgendwo dazwischen gibt es eine Mitte, und da fühlen wir uns ganz wohl..."