1996

 

Die am meisten gebootlegte Band Deutschlands

Überall tauchen illegale Raubkopien der Böhsen Onkelz auf. Die Onkelz sind ein Verkaufsgarant

Des weiteren werden nun die Onkelzsongs gebootlegt. Illegale Live-Mitschnitte werden angefertigt, als Raubkopien über dunkle Kanäle vertrieben und auf Floh- und Straßenmärkten in der ganzen Republik verkauft. Die Anwälte haben alle Hände voll zu tun, die Bootlegger dingfest zu machen und den Markt auszutrocknen. Aber der Reiz des Verbotenen, des Anrüchigen, scheint dafür zu sorgen, dass es immer mehr Raubkopien gibt. Von 1996 an explodiert der Markt mit illegalen Onkelztonträgern und bis zum Jahre 2002 sind es über 700 verschiedene CDs in immer anderen Zusammenstellungen. Da es auch Bootlegs aus der rechten Szene gibt, ist es nicht verwunderlich, dass die zwei Titel "Türken raus" und "Deutschland den Deutschen" vom `83er Demo Tape, nun digital remastered auf diversen Bootlegs wieder auftauchen. Das wiederum sorgt bei der Bundesprüfstelle und beim Verfassungsschutz für totale Verwirrung. Hier weiß niemand so genau, was offiziell ist und was nicht, und plötzlich spricht man im Zusammenhang mit den Onkelz von mehr als 7 indizierten Tonträgern. Viel Arbeit für die Anwälte und viel Arbeit für die Presseabteilung des B.O. Managements hier den Überblick zu bewahren und Aufklärung zu leisten.

 

E.I.N.S - das zwölfte Studioalbum

Im Sommer/Herbst des Jahres 1996, kurz vor einer ausgedehnten Deutschland Tour, veröffentlichen die Böhsen Onkelz bei Virgin Records ihr mittlerweile zwölftes Studioalbum, das den Titel E.I.N.S. trägt. Obwohl der Titel einfach nur den Zusammenhalt der Musiker darstellen soll, was auch durch das Covermotiv unterstrichen wird, schließt die Presse daraus wieder etwas vollkommen anderes. Die Punkte zwischen den Buchstaben, so meinen manche Journalisten, zeige, dass es sich um eine Abkürzung handelt und schon findet jemand heraus, es hieße doch bestimmt: "Eigentlich immer noch Skins". Die Band kann über solche Entgleisungen und Klimmzüge inzwischen nur noch lachen und konzentriert sich auf die Tour im Herbst. E.I.N.S. verkauft sich über 400.000 mal in kürzester Zeit und steigt auf Platz 3 in den Longplay Charts der Media Control ein.

 

Tour 1996

Die Onkelz füllen mühelos die größten Hallen ohne Werbung

Die Tour führt durch 26 Städte und die größten Hallen werden mühelos gefüllt. Die Dortmunder Westfalenhalle, mit 15.500 Fans seit Monaten im Voraus ausverkauft, bildet den Rahmen für den zweiten Live-Mitschnitt nach Wien und die daraus entstehenden Produkte. Ein VHS-Video und ein Doppel Live-Album (Virgin Records) finden reißenden Absatz im Frühjahr 1997.

 

Weitere Distanzierungen 1996

Veränderung wird nicht anerkannt, Entwicklung wird nicht zugestanden

Auch 1996 äußert sich die Band in einigen Medien zu ihrer Vergangenheit, und zu ihrem Ausstieg aus der Skinheadszene, der mittlerweile 10 Jahre zurück liegt. Frage: "Ihre Vergangenheit wollen sie gar nicht verschweigen. Sie wollen sie aber auch nicht ständig vorgehalten bekommen." Stephan: "Ich frage mich manchmal, wie viel Scheiß diese Leute selbst mal in ihrer Jugend gebaut haben. Sie haben nur keine Lieder geschrieben, die auf Tonträgern festgehalten wurden. Wir versuchen ja, offen damit umzugehen, indem wir sagen: "Klar, so und so sah das aus, wir stehen dazu. Wir stehen aber auch zu der Veränderung, die wir seither durchgemacht haben. Ich muss doch auch einem Typ, der im Knast war, die Möglichkeit geben, sich zu resozialisieren. Das kann ja ein guter Mensch sein, der in einem Anfall geistiger Unachtung sonst was gemacht hat. Damit will ich nicht alles entschuldigen - so ist das nicht. Ich habe aber auch aus den Fehlern, die wir damals gemacht haben, eine Menge gelernt. Gerade von linker Seite wird immer so getan, als hätten sie die Moral für sich gepachtet, als wären sie auf der richtigen Seite - und vom rein theoretischen Aspekt her will ich denen ja gar nicht Unrecht geben, denn mir ist Faschismus absolut zuwider, und ihn zu bekämpfen ist eine absolut wichtige Sachen. Dann aber mit faschistischen Mitteln zu kämpfen, das lehne ich ab." aus "Feedback" Nr. 30. Ausgabe, Oktober/November 1996 Frage: "Habt ihr euch ganz von der rechten Szene distanziert?" Stephan: "Wir waren noch nie in der rechten Szene. Es heißt immer, wenn du Skinhead bist, bist du gleich der rechten Szene zugehörig. Natürlich ist es aufgrund dessen, was in all den letzten Jahren vorgefallen ist, sehr leicht möglich, das zu denken. Von daher nehme ich es den Leuten nicht übel, wenn sie mit diesem Argument kommen. Aber nur aufgrund dessen, dass wir mal ein paar Äußerungen gemacht haben und einer gewissen Szene zugehörig waren - ich rede jetzt von der Skinheadszene - die damals nicht gleich rechts bedeutete, werden wir als "rechts" abgestempelt. aus "Deister- und Weserzeitung", 26.10.1996 "7000 Fans beim Konzert der "BÖHSEN ONKELZ" - so richtig böse war aber keiner. Einzige Ausnahme, der rechte Salon-Löwe Torsten Lemmer. Der ehemalige Geschäftsführer der FWG Düsseldorf hatte vollmundig das Erscheinen des gesamten "Gau Rheinland" angekündigt. Er selber musste allerdings draußen bleiben. Thomas Hess, Tour-Manager der "ONKELZ" hatte den Steckbrief des Düsseldorfers an den Sicherheitsdienst verteilen lassen: "Dieser Mann bleibt draußen. Solche rechten Spinner brauchen wir nicht." aus "Express" Düsseldorf, 22.11.1996 Vielleicht sollte gerade hier an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Düsseldorfer Express gerne, viel, und häufig über Thorsten Lemmer berichtete, ganz so, als wäre es wirklich eine Meldung wert, was dieser Lemmer gerade wieder anstellte. Der Düsseldorfer Express verpasste auch keine Gelegenheit diesen Düsseldorfer Freizeit-Demagogen ständig mit den Onkelz in einem Atemzug zu nennen. Tatsache war aber, dass Thorsten Lemmer und seine ganze rechte Entourage die Band nicht interessierte.