1990

 

1990 ein dunkles Jahr

Das Jahr 1990 entwickelt sich im Sommer zu einem der dunkelsten Jahre für die Böhsen Onkelz. Kevins Drogeneskapaden in der "28" inspirieren Stephan zu den düstersten Texten, die er je geschrieben hat. Songs wie "Leiden", "Nekrophil" und "Hast du Sehnsucht nach der Nadel" drücken diese Stimmung eindrucksvoll aus.

 

Der Wechsel zu Bellaphon und ein heimtückischer Mord

Trimmi wird ermordet und Kevin wird zur lebenden Leiche

Der Tiefpunkt des Jahres 1990 ist erreicht, als am 16. Juni der beste Freund der Band, der 23jährige Elektrikergeselle Andreas Trimborn im "Speak Easy", einer Kneipe in Alt-Sachsenhausen erstochen wird. Ein weiteres Schlüsselerlebnis, das die Band zwar unzertrennlich zusammenschweißt und viel Material für neue Lieder gibt, ("Nur die besten sterben jung", "Ganz egal" 1991, "Das Messer und die Wunde" 1993, "Der Platz neben mir" 1998) aber gleichzeitig auch dafür sorgt, dass Kevin ganz und gar im Drogensumpf versackt. Er nimmt nun täglich große Dosen an Kokain und Heroin zu sich und verwahrlost zusehends. Die 90er Veröffentlichung "Es ist soweit", das sechste Studioalbum der Onkelz, das sich hervorragend verkauft, ist auch das letzte Album, das die Band mit Ingo Nowotny aufnimmt. Ebenso wie Herbert Egoldt, beginnt sich Ingo Nowotny mit grottenschlechten Bands zu umgeben, von denen einige eine sehr zweifelhafte Gesinnung haben und auch er scheint von pünktlichen Lizenzzahlungen oder von Auszahlungen generell nicht viel zu halten. Die Böhsen Onkelz überwerfen sich mit Nowotny und finden gegen Ende des Jahres einen neuen Vertragspartner in der alteingesessenen Frankfurter Firma Bellaphon. Stephan erweitert seinen Horizont zunehmend, in dem er auf einem Walforschungsschiff vor der Küste Mexicos segelt, Vegetarier wird, nach Fidji und Australien reist und eine große Anzahl an Büchern verschlingt.

 

Die Presse erwacht...

Geringe Medienpräsenz in Tageszeitungen und Musikzeitschriften, machen bereits deutlich, dass die Böhsen Onkelz von der Musikindustrie nicht akzeptiert werden und ihr Ausstieg nicht anerkannt wird. Die wenigen Artikel, die sich mit dem Thema "Onkelz" auseinandersetzen, werfen der Band vor, sie sei immer noch in der "rechten Szene" aktiv, würde sich nur aus marketingtechnischen Aspekten nun anders und vorsichtiger ausdrücken, sei aber im Grunde nichts anderes, als eine "Nazi-Skin-Combo", die keine Musik machen könne und die man am besten totschweigt. In der Zwischenzeit werden von der "Es ist soweit" - LP 30.000 Einheiten in kürzester Zeit abgesetzt.