1989

 

Immer noch im Untergrund

1989 - die Onkelz stehen wieder auf der Bühne und ein Interview, das nie gesendet wurde

Im Jahre 1989 finden die Böhsen Onkelz in den Medien noch immer nicht statt. Weder Tageszeitungen noch Musikmagazine interessieren sich für die Band. Die Kneipenterroristen LP vom Vorjahr wird kaum erwähnt und ebenso wenig ihr Ausstieg aus der Glatzenszene oder die wachsende Fangemeinde, die sich nun aus vereinzelten Alt-Skins, Punks und Rockern zusammen setzt. Wohl aber finden wieder erste Konzerte statt. 5 Shows spielen die Onkelz im Raum Wiesbaden und Frankfurt vor einer Crowd von 800 bis 1200 Leuten. In Offenbach tauchen ca. 30 Skinheads mit Deutschland Fahnen auf und pöbeln im Publikum. Stephan macht eine seiner ersten öffentlichen anti-rechts Ansagen von der Bühne herunter. Leider gibt es hiervon kein Video- oder Tonmaterial. Ein weiteres erwähnenswertes Interview findet im Herbst des Jahres statt, als der Redakteur eines bekannten Nachrichten Magazins die Böhsen Onkelz in ihrem Proberaum in Frankfurt besucht. Von diesem Interview liegt uns die ungeschnittene Rohfassung vor, die wir hier in Auszügen ablegen. Augrund bestehender Copyrights, können wir leider die Quelle nicht angeben, da man uns die Genehmigung zur Veröffentlichung des Materials verweigert hat. Wir tun es dennoch: Bemerkenswerter Weise werden diese Aufnahmen der Öffentlichkeit vorenthalten, da sich die Redaktion dazu entschließt, den Beitrag nicht zu senden. Möglicherweise ist die unprofessionelle Vorgehensweise des Interviewers ein Grund dafür, möglicherweise entsprechen die Onkelz aber auch nicht dem gewünschten Bild einer "unglaubwürdigen Nazi-Skinband", die man hier zu portraitieren versucht. Ebenso, sollte an dieser Stelle ein Interview mit der Metal Zeitschrift "Reborn" erwähnt werden, dass im Herbst des Jahres geführt wird... Stephan: "Wir wollten eigentlich schon auf jeder LP die Texte abgedruckt haben, weil wir gemerkt haben, dass gerade bei den alten Platten die Texte zum Großteil nicht verstanden wurden. Durch den etwas undeutlichen Gesang und die schnell aufeinander folgenden Worte sind häufig Missverständnisse aufgetreten. Viele Leute haben den Text nicht richtig verstanden und somit wurde der wahre Sinn des jeweiligen Liedes verfälscht. Deswegen wurde uns bei manchen Texten auch unterstellt, sie seien rechtsradikal. Und das stimmt nicht!" aus: "Reborn" Nr.2, Heavy-Metal-Fanzine, Herbst 1989 ... und ein weiteres Interview, dass zwar 1988 für ein Skate-Fanzine geführt wird, aber merkwürdigerweise in einer rechten Publikation im Jahre 1989 ohne Quellenangabe wieder auftaucht: Frage: "Also, wir haben ja auch von Euch 1-2 Platten auf Kassette aufgenommen und haben auch versucht, da ein bisschen was rauszuhören, textmäßig, und da gibt es ein Lied, auf "Der nette Mann" ist es glaub' ich drauf, das geht über die EM in Frankreich '84. Da heißt es so was wie "Frankreichüberfall", da hab ich gleich an Hitler gedacht so ein bisschen. Wie ist das denn aufzufassen?" Stephan: "Da ging das Interesse am Fußball, vielleicht auch an Ausschreitungen unter Fans usw., das ging halt ein bisschen verloren, das wurde vielleicht ein bisschen zu politisch dargestellt. Vielleicht haben wir auch einen Fehler gemacht im Textschreiben und das nicht deutlich genug ausgedrückt, was wir damit meinen. Ich meine, wir haben einen ziemlichen Hals auf die Franzosen gehabt zu dieser Zeit, wir haben da so auf die Schnauze bekommen von den Bullen, und das war so ein bisschen Hasstirade auch auf die, das war schon dabei, aber es sollte eigentlich keine Volksverhetzung oder irgendso ein Quatsch sein, damit haben wir nichts am Hut." aus: Rock Nord, Winter 1989/90

 

Stephan und Kevin, die zwei treibenden Kräfte

Stephan Weidner orientiert sich neu und Kevin Russell versackt im Sumpf

Auf privater Ebene entschließt sich Stephan Weidner 1989 mit seinem Freund Edmund Hartsch zusammen den Skate- und Snowboardladen "Cadillac Ranch" in Frankfurt zu eröffnen. Seine privaten Interessen haben sich in viele neue Bereiche aufgefächert. Er reist viel, liest viele Bücher und stellt sein Leben um. Zwar ist er noch immer Stephan Weidner, der keiner Konfrontation aus dem Weg geht, jedoch löst er seine Konflikte nicht mehr mit Gewalt. Kevin dagegen ist zu dieser Zeit noch immer außer Rand und Band. Seine Beziehung zu Stephans Schwester Moni leidet erheblich unter seiner immer schlimmer werdenden Drogensucht und seinem explosiven Temperament. Die Schlägereien in seinem Leben hören nicht auf und bald zieht Moni aus der "28" aus und überlässt Kevin seinem selbst gewählten Schicksal. Pe und Gonzo halten sich weitestgehend aus den Exzessen raus und führen ein zurückgezogenes Privatleben mit ihren Freundinnen.